Zwischen der Schaffung einer eigenen Infrastruktur, der Schliessung von educanet² und dem Start von Edulog, wo steht der Kanton Freiburg Anfang 2021?

Es ist schwierig, über die aktuelle Situation zu sprechen, ohne die Corona-Pandemie zu erwähnen. Die Pandemie hat uns ein wenig in Zugzwang gebracht und uns erlaubt, IT-Infrastrukturprojekte zu beschleunigen, insbesondere die Implementierung der Kollaborations- und Kommunikationslösung Microsoft Office 365 (M365). Das Jahr 2020 stand auch im Zeichen der Implementierung einer kantonalen IT-Account- und Identitätsmanagement-Lösung. Damit wurde die Umsetzung von Infrastrukturprojekten erleichtert und der Weg für eine Föderation der Identitätsdienste wie Edulog geebnet. Auch aus der Zeit des Fernunterrichts konnten wir viel lernen, auch wenn es ungewollt war. Ganze Tage in den Videokonferenzen konnten bekannte Tatsachen wie die mangelnde Vertrautheit von Lernenden und Lehrpersonen mit digitalen Werkzeugen oder die entscheidende Bedeutung der Rolle der Lehrperson und zwischenmenschlicher Kontakte in Erinnerung rufen und hervorheben.

«  Auch aus der Zeit des Fernunterrichts konnten wir viel lernen, auch wenn es ungewollt war.  »

 

Freiburg hat sich unter anderem für Microsoft Office 365 entschieden, um educanet² abzulösen: Wie verlief der Übergang?

Die Lehrpersonen in Freiburg hatten Verständnis für einen relativ brüsken Technologiewechsel. Sie wurden so weit wie möglich von einem Netzwerk von auf Microsoft Office 365 spezialisierten Personen in jeder Schule unterstützt. Es wurden Workshops, Dokumentationen und Online-Schulungen angeboten. Heute ist das System in Betrieb, die Benutzer werden in der administrativen Nutzung der Microsoft Office 365-Lösungen geschult, pädagogische Weiterbildungen sind geplant, die Daten werden in der Schweiz mit Gerichtsstand in der Schweiz gehostet, alle Akteure des Freiburger Bildungssystems haben die Möglichkeit, auf M365 zuzugreifen, usw. Die Situation ist stabil und sehr zufriedenstellend.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen und Chancen in Ihrem Kanton in den nächsten 2 bis 3 Jahren?

Die kommenden Herausforderungen werden vor allem menschlicher und pädagogischer Natur sein. Die rein technischen und rechtlichen Aspekte sind Ende 2020 geklärt. In den nächsten Jahren wird es darum gehen, die eingerichteten Systeme zu stabilisieren und zu verbessern, insbesondere durch eine bessere Nutzung der zur Verfügung gestellten Werkzeuge durch Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen und durch die Förderung der pädagogischen Anwendung dieser Werkzeuge. Es müssen auch mehr pädagogisch orientierte Lösungen eingesetzt werden.

Letztlich wird es darauf ankommen, die Lehrpersonen davon zu überzeugen, dass die digitale Technologie unzählige Vorteile für ihre tägliche Arbeit bringen kann.

Gesprächspartner

Directeur Fritic: Philippe Froidevaux
Philippe Froidevaux
Direktor Fachstelle Fritic

ähnliche Beiträge

22.2.2021

Nicht nur Unternehmen sondern auch Bildungseinrichtungen sind im digitalen Zeitalter mit zahlreichen Risiken konfrontiert. Dabei lohnt es sich, die Risiken systematisch, effektiv und effizient anzugehen. Auch bei Edulog ist Risikomanagement ein zentrales Thema, insbesondere im Hinfblick auf Datenschutz und Infrastruktursicherheit.

4.6.2020

Welche Schlussfolgerungen ziehen Eltern und Familien aus dem Fernunterricht während der Coronavirus-Pandemie? Nils Landolt – Primarlehrer, Initiator Schulwandel.ch und Gründer des LernHaus Sole – analysiert die Ergebnisse einer in 15 Kantonen durchgeführten Umfrage.

4.1.2021

Eine Ära ging Ende 2020 zu Ende, die beiden Dienste wurden eingestellt. educanet², die Lern- und Arbeitsplattform unterstützte die Organisation und Kollaboration von Unterricht und Schule, während educa.ID den vereinfachten Zugriff auf verschiedene schulspezifische Online-Dienste ermöglichte.

14.9.2020

Der Bundesrat hat die aktualisierte Strategie «Digitale Schweiz» verabschiedet, die unter anderem die Datenaspekte stärker in den Vordergrund stellt. Ziel der Strategie ist es, den Zugang zu vertrauenswürdigen Datenräumen für Personen, Unternehmen und den öffentlichen Sektor zu fördern.